Aufruf von La Via Campesina, 2008:
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Aufruf von La Via Campesina, 2008:
Transnationale Konzerne im Agrobusiness verursachen die Welternährungskrise. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern holen sich ihre Rechte zurück. Aufruf zum internationalen, kleinbäuerlichen Aktionstag'
Die Welternährungskrise zeigt dieses Jahr ihr wahres Gesicht. In den letzten Dekaden beschränkte sich der Welthunger auf ländliche Gebiete oder dort, wo Rezession herrschte. Nun hat er sich ausgebreitet – das können viele Menschen nicht länger ertragen. Aufruhr um Lebensmittel und die Schlangen vor den Armenküchen gehören heute wieder in vielen Teilen dieser Welt zum Alltag.
Afrika und Asien sind am schlimmsten betroffen vom Hunger, vom Elend und der Armut und auch von den stärker werdenden Auswirkungen des Klimawandels. Ökonomische Entwicklung und Wirtschaftswachstum kommen nur einer Minderheit der Bevölkerung zu Gute. Sie verursachen Umweltzerstörung und verbessern die äußerst prekäre Lage der großen Mehrheit der Menschen nicht. In Indien profitieren nur wenige Teile der Bevölkerung vom Wirtschaftsboom, während gleichzeitig die bäuerliche Landwirtschaft zerstört wird und Tausende von Kleinbäuerinnen und -bauern sich aus Verzweiflung und Armut das Leben nehmen. Junge Bäuerinnen und -bauern in Indonesien, auf den Philippinen, in Thailand oder Bangladesh sind gezwungen ihre Familien zu verlassen, um sich in anderen Ländern zu verdingen. In Lateinamerika ist die Situation ähnlich. Ackerland gehört nicht länger der Landbevölkerung. Die Menschen, die auf dem Land leben, müssen stattdessen als billige Arbeitskräfte das Land bewirtschaften, dass sie ehemals besaßen. Nicht wenige von ihnen flüchten in die großen Städte, um ihr Leben zu verbessern, aber auch dort müssen sie manche Nacht mit leerem Magen zu Bett gehen.
Die großen Transnationalen Agrarkonzerne (TNCs) wollen ihre Kontrolle über die Welternährung und die landwirtschaftliche Ökonomie ausweiten. Die Liberalisierung des Handels und der Investitionsfreiheit hat dies ermöglicht. Internationale Abkommen wurden hierfür im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO), der Freihandelsabkommen (FTAs) und der Ökonomischen Partnerschaftsprogrammen (EPAs) geschaffen. Die Weltbank und der Internationale Währungsfond (IWF) unterstützen diese Entwicklung. Beide fördern das Agrobusiness als Priorität der Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik in vielen Ländern.
Staatliche Subventionen, die die nördlichen Länder dem Agrobusiness zukommen lassen, zielen darauf ab, Landwirtschaft zu industrialisieren und landwirtschaftliche Betriebe in Nord und Süd mittels Preisdumping zu zerstören. Durch die grüne Revolution haben die Transnationalen Agrarkonzerne es seit den 70er Jahren geschafft, lokales Wissen um angepasste Landwirtschaft systematisch zu vernichten und dieses durch neue Technologien wie Dünger und Saatgut zu ersetzen, die die BäuerInnen abhängig machen. Heutzutage ist die Gier der TNCs noch gefährlicher, denn sie wollen immer mehr Land für Agrofuel-Monokulturen nutzen, um Treibstoff für Autos zu produzieren.
Es ist deutlich: die TNCs wollen die Fähigkeit von familiären Landwirtschaftsbetriebe, Kleinbäuerinnen und -bauern die Menschen zu ernähren, beenden, da es ihr vorderstes Ziel ist, den weltweiten Lebensmittelmarkt zu kontrollieren und bäuerliche Produktion in industrielle Produktion zu verwandeln. Nach der Enteignung klein- und mittelständischer BäuerInnen werden sie die Lebensmittelpreise erhöhen und so VerbraucherInnen ausbeuten.
Die Bestrebungen der Agrobusiness TNCs sind gegen alle Menschen und gegen die Stabilität des Ökosystems dieser Erde gerichtet. Wir sollten ihnen nicht länger erlauben, dies fortzuführen. Wir sollten sie stoppen und uns die Rechte zurückerobern, die den Menschen ermöglichen Landwirtschaft zu betreiben und gute Lebensmittel für alle Menschen zu produzieren.
In Gedenken an den 17. April ruft La Via Campesina am internationalen, bäuerlichen Aktionstag seine MitgliederInnem und alle sozialen Bewegungen zu Aktionen und Aktivitäten gegen TNCs auf.
1. Schickt bis zum 17. April Berichte und Informationen über die Auswirkungen der Agrobusiness TNCs, die Hunger und Armut für die bäuerliche Landwirtschaft und die Kleinbauern bedeuten. Wir werden alle Informationen sammeln und unter www.viacampesina.org im Laufe des 17. Aprils veröffentlichen. Ihr könnt jegliche Informationen über Vorfälle an uns schicken, die in Zusammenhang mit Hunger, der Verletzung der Menschenrechte, negative Auswirkungen auf die Kultur und Werte der Menschen, Verschuldung, Gesundheitsprobleme, Enteignung von landwirtschaftlichem Boden, Naturkatastrophen und alles andere, was aufgrund der Machenschaften der Agrobusiness TNCs in eurem Dorf, eurer Gemeinde oder eurem Land geschehen ist.
2. Organisiert vor oder am 17.April Aktivitäten, wie Seminare, öffentliche Diskussionen, Aktionen, Mobilisierungen, Pressekonferenzen, etc.; um die Effekte der Agribusiness TNCs öffentlich zu machen und sie der Rolle, die sie im Lebensmittelsektor spielen, zu entheben. Diese Aktivitäten können auch zeigen, was die kleinbäuerlichen Organisationen und andere soziale Bewegungen als Alternative zum neoliberalen Wirtschaftsmodel vorschlagen.
Ihr könnt Eure Berichte oder Informationen an die Internationale Koordination von La Via Campesina per E-Mail an Tejo Pramono (tpramono@viacampesina.org) schicken.
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